Die Titanic

Warum sank der ganze Stolz der White-Star-Linie?

Hierzu gibt es Theorien, Gegentheorien und Verschwörungstheorien. Das Schiff rammte einen Eisberg und sank wenige Stunden später. Diese Tatsache ist bekannt. Und in zahlreichen Medien auch vermarktet worden. Jahrzehntelang wurden hierfür Hintergründe gesucht und diskutiert. Aber erst die Entdeckung des Wracks und die Bergung von geborstenen Planken und Nieten ohne Köpfe lieferten aus technischer Sicht relevante Erkenntnisse. Historiker hatten schon lange den Verdacht. Wissenschaftler haben in den Archiven der Herstellerwerft Hinweise darauf gefunden. Metallurgen haben diese Theorien untersucht und bestätigt. Heute gehen viele Wissenschaftler so weit zu sagen, dass dieses größte Unglück der zivilen Seefahrt hätte vermieden werden können, wenn nicht billige Nieten verarbeitet worden wären. Der Hersteller der „Titanic“, Harland & Wolff in Belfast, hat dementiert. 

Die Titanic war 269 Meter lang, 28 Meter breit, 53 Meter hoch, hatte 10 Meter Tiefgang, 46.329 Bruttoregistertonnen Rauminhalt, 39.380 Tonnen Leermasse, 13.767 Tonnen Tragfähigkeit und war damals ca 1,5 Mio Pfund Sterling teuer – was einer Investitionssumme heute von rund 160 Mio. Euro entspricht. All das mit rund drei Millionen Nieten zusammengehalten. 

Jennifer Hooper McCarty und Timothy Foecke schreiben in ihrem neuen Buch "What Really Sank the Titanic", zur Bauzeit der "Titanic" hätten die Lieferengpässe einen Höhepunkt erreicht. Der Vorstand von Harland & Wolff sei "in Krisenstimmung" gewesen, sagt McCarty. Ein halbes Jahr lang – von Ende 1911 bis zur Jungfernfahrt der "Titanic" im April 1912 – sei über Probleme mit den Nieten und Personalengpässe diskutiert worden. 


Waren es die minderwertigen Nieten?

In dem Buch werden die Konstrukteure nicht für die Katastrophe verantwortlich gemacht. Es wird beschrieben, unter welch hohem Erfolgsdruck alle standen, um das Schiff termingerecht und kostenorientiert bis zur Jungfernfahrt fertig zu stellen. So verweist das Buch darauf, dass alles an Nieten gekauft wurde, was verfügbar war. Wohl wurde hierbei die zugesagte Qualität von manchen Lieferanten nicht eingehalten. Nach metallurigisch-wissenschaftlichen Untersuchungen lagen die Abweichungen in der Qualität wohl in der unterschiedlich hohen Asche-Konzentration in den Materialien. Der glasige Rückstand entsteht bei der Verhüttung und kann Nieten brüchig werden lassen. Und hier vermuten viele das ursächliche Problem für das Sinken der Titanic. 

Die Recherche von McCarty und Foecke hat zudem ergeben, dass es wohl auf der Werft bei Harland & Wolff personelle Engpässe gab. Es gab nicht genug ausgebildete Nieter, die genau wussten, wie qualitativ hochwertige Nieten in manueller Herstellung zu fertigen sind. 

Interessant ist auch, dass beim Bau des Schiffs in den Seitenbereichen, also in der Rumpfmitte, Stahlnieten verwendet worden sind. Hier wurden besondere Belastungen erwartet. Am Bug und am Heck hingegen wurden Eisennieten eingesetzt. Die Taucher und Wissenschaftler, die das Wrack untersuchten, fanden nicht das erwartete große Loch oder den großen Riss im Rumpf. Sie entdeckten vielmehr nur 6 schmale Spalten im Bug des Schiffs. Und dies waren genau die Stellen, an denen die stählerne Beplankung massiv deformiert und aufgebogen war. Durch die gewaltige und schlagartige Krafteinwirkung des Eisbergs auf die Außenhautplatten sind enorme Biegungen aufgetreten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Seewassertemperatur wohl bei -2° Celsius lag und so zu weiteren Sprödbrucherscheinungen geführt haben kann. Schon damals hatten Wissenschaftler den ersten Verdacht geäußert, zu schwache Nieten könnten ursächlich für den Untergang gewesen sein. 


Man hätte noch den Hafen von Halifax erreichen können

Die Recherche von McCarty und Foecke könnten das bestätigen. Nach deren Aussage endet der Schaden am Rumpf der Titanic in dem Bereich, in dem die Eisen- in die Stahlnieten übergehen. Die Wissenschaftler stellen die These auf, bessere Nieten hätten das Eindringen der Wassermassen verzögern können. Mehr Menschen hätten gerettet werden können. "Wenn die Nieten etwas mehr gehalten hätten und sich nur fünf Räume mit Wasser gefüllt hätten, wäre das Schiff bei Weitem nicht so schnell gesunken. Wären es nur vier Räume gewesen, hätte man noch den Hafen von Halifax erreichen können", sagt Foecke.

Der Titanic-Experte und Schiffahrtsingenieur bei Harland & Wolff, David Livingstone, dementiert die Rückschlüsse von Foecke: "Man kann sich nicht Material von vor 100 Jahren ansehen und sagen, es sei Substandard." Nach seinen Aussagen sei die Titanic im Vergleich zu anderen Schiffen nicht so überraschend schnell untergegangen. Er wird auch mit der Aussage zitiert: „Dass an manchen Stellen zu schwache Nieten benutzt worden waren bzw. Schmiedeisen statt gehärtetem Stahl, versteht aber auch er nicht.“

„Whatever can go wrong will go wrong.“ Murphys Gesetz.
1.500 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. 


Schnittstelle Mensch – Fehlerquellen maximal minimieren

Bei der Titanic wurden zwar die für die damalige Zeit jeweils richtigen Werkstoffe definiert – Stahlnieten für die seitlichen Beplankungen und Eisennieten für Bug und Heck – jedoch waren die jeweiligen Mengen der geplanten und bestellten Nieten offensichtlich nicht lieferbar. Durch den Zeitdruck kam es zum „chaotischen“ Zusammenkauf von nicht identischen Nieten mit unterschiedlicher Qualität und Materialzusammensetzung.

Es stellt sich also die Frage, warum die Anzahl der Nieten nicht in ausreichender Menge ermittelt, bestellt und vor allem just in time geliefert wurde. Hat hier möglicherweise die Schnittstelle Mensch versagt? Oder stand auf Grund mangelhafter Planung die benötigte Anzahl der Nieten zu spät fest? Hatten die Konstrukteure zu lange gebraucht? Hatten sie die Planung voll umfänglich im Griff?

Das Beispiel zeigt, dass die Übermittlung sensibler Daten wie Mengen bzw. Werkstoffe an die Produktion bzw. den Einkauf für die Sicherheit und Qualität eines Produktes immer entscheidend sind. Daher sollten diese Daten nur einmal eingegeben und dann möglichst automatisch an nachfolgende Systeme sicher übertragen werden. 


Es gilt den Faktor Mensch so bei seinen Aufgaben zu unterstützen und zu entlasten, dass alle möglichen Fehlerquellen maximal minimiert werden.